Glossar

Ein Register in einfacher Sprache.

Konzepte, die in meinen Texten eine Rolle spielen, auch wenn ich sie dort nicht beim Namen nenne, hier findest du den Begriff dazu: was er bedeutet, warum er wirkt, wie er sich zeigt.

Überlebensangst

Warum ein einzelner Satz so viel bewegen kann.

  • Nervensystem
    der Schalter
    zwischen Alarm und Ruhe,
    kein Nachdenken beteiligt.
    Das Fundament unter allen folgenden Einträgen.
  • Überlebensangst als Hebel
    der Grund, warum die folgenden vier Einträge überhaupt zählen:
    Ein Satz muss nicht laut oder offensichtlich gefährlich klingen.
    Es reicht ein Hinweis auf drohenden Verlust von Bindung oder Schutz
    und das Nervensystem reagiert, als ginge es um Leben und Tod.
  • Fight-or-Flight
    der Alarmzustand selbst:
    Kampf, Flucht, Erstarren oder Beschwichtigen.
    Vier Reaktionen, nicht zwei.
  • Freeze
    das Erstarren von innen:
    hellwach, mit offenen Augen,
    und trotzdem ohne Zugriff auf den eigenen Körper.
  • Vagusnerv
    die Bremse, die eigentlich beruhigen sollte,
    und die unter Dauerbelastung verlernt, zu greifen.
  • Erlernte Hilflosigkeit
    wenn der Alarm nie endet:
    keine Charakterschwäche,
    sondern die korrekte Schlussfolgerung eines Systems,
    das gelernt hat, dass Handeln nichts ändert.
  • Red Buzzer
    die Meta-Ebene unter allen Taktiken:
    nicht ein bestimmter Satz, sondern der Alarm, den sie alle drücken.

Die vier Phasen

Was beim anderen passiert — nicht bei dir.

  • Love Bombing
    der Anfang: schnelle, übertriebene Nähe, die sich anfühlt wie Erkennen.
  • Devaluation
    die Abwertung beginnt, oft schleichend genug, um sie zunächst als Ausnahme zu erklären.
  • Discard
    Rückzug oder Trennung, meist abrupt, oft ohne erkennbaren Anlass.
  • Hoovering
    der Versuch, zurückzuholen, sobald Distanz entsteht.
    Danach beginnt der Kreis oft von vorn.

Stages of Change

Wie weit man selbst innerlich schon ist,
unabhängig davon, was der andere gerade tut.

Kein Wettbewerb und keine Checkliste zum Abhaken,
sondern eine Reihe innerer Zustände,
die sich manchmal ablösen, manchmal auch nicht.

  • Precontemplation
    der Zustand hat noch gar keinen Namen.
    Es fühlt sich nicht falsch an, weil nichts benannt ist.
  • Contemplation
    die Frage taucht zum ersten Mal auf:
    könnte hier etwas nicht stimmen?
  • Preparation und Action
    ein Weg wird sichtbar,
    erste Schritte werden möglich.

Nicht jeder Weg führt geradeaus dorthin.
Manchmal existiert der Ausweg real nicht,
das beschreibt Erlernte Hilflosigkeit.
Manchmal existiert er,
ist aber unter Angst aus dem Blick gefallen,
das beschreibt Tunnelblick.

Manipulations-Knöpfe

Allgemeine Hebel, sie funktionieren überall dort, wo jemand etwas
von einem will, nicht nur in Partnerschaften.

  • Schmeichelei
    ein Lob, das nicht geschenkt ist,
    sondern eine Rechnung mitbringt.
  • Herdentrieb
    eine unsichtbare Menge wird vorgeschoben,
    damit man sich nicht traut, allein Nein zu sagen.
  • Provokation
    ein Stachel, der einen zu einer Handlung treiben
    soll, die man sich sonst gespart hätte.
  • Autoritätsappell
    ein Titel wird als Argument benutzt, damit
    niemand nach dem eigentlichen Argument fragt.

Abwertung

Wenn nicht mehr das Verhalten kritisiert wird, sondern das, was
jemand ist.

  • Körperliche Abwertung
    Aussehen und Gewicht werden zum Hebel:
    als Bedingung, als Vergleich, als Drohung, dass niemand sonst einen wollen würde.
  • Emotionale Abwertung
    nicht die Sache wird bestritten, sondern
    das Recht, überhaupt so darauf zu reagieren.
  • Intellektuelle Abwertung
    nicht der Körper, nicht das Gefühl:
    der Verstand selbst wird zur Zielscheibe erklärt.
  • Beiläufiger Vergleich
    kein viertes Ziel, sondern ein Mittel quer zu den drei anderen:
    eine Rangliste, die ständig mitläuft und sich zuklappt, sobald man danach fragt.

Schuldumkehr

Wenn nicht mehr das Verhalten verhandelt wird, sondern wer hier
eigentlich der Angegriffene ist.

  • Opferrolle
    der Manipulator stellt sich selbst als Opfer dar,
    um Mitleid zu bekommen und die Schuldfrage umzudrehen.
  • DARVO (Opferumkehr)
    die genauer benannte Choreografie dahinter:
    Leugnen, Angreifen, sich selbst zum Opfer machen, den
    anderen zum Täter machen, fast immer in dieser Reihenfolge.

Autonomie & Unterordnung

Ein Gegensatzpaar: der normale Drang, selbst zu entscheiden — und
der Endzustand, der ihn ersetzen soll.

  • Autonomiebestrebungen
    der normale, gesunde Drang, selbst zu entscheiden, selbst zu wollen, sich abzugrenzen. Entwicklung, keine
    Störung.
  • Bedingungslose Unterordnung
    der Gegenpol: Gehorsam ohne Grund, ohne Ausnahme, ohne Ende, der geforderte Endzustand hinter vielen einzelnen Taktiken.

Wahrnehmung unter Druck

Was mit dem eigenen Urteil passiert, wenn es immer wieder infrage
gestellt wird.

  • Gaslighting
    die eigene Wahrnehmung wird systematisch infrage
    gestellt, bis man der eigenen Erinnerung, den eigenen Sinnen, dem
    eigenen Urteil nicht mehr traut.
  • Zermürbungsprozess
    nicht der einzelne Satz zerstört das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Die Wiederholung über Jahre
    tut es.
  • Handlungsfähigkeit vor Wahrheit (Savanne)
    warum der Verstand manchmal die bequeme Erklärung der wahren vorzieht: nicht aus Schwäche, aus Betriebssicherung.
  • Tunnelblick
    ein Ausweg existiert real, ist aber unter Angst aus dem Wahrnehmungsfeld gefallen. Nicht: die Tür ist zu, sondern:
    der Blick war woanders.

Warum man bleibt

Nicht die Taktik des anderen — die Mechanik auf der eigenen Seite.

  • Bindungsmechanik
    kein Charakterfehler, sondern Mechanik:
    der Spielautomat, der unregelmäßig zahlt, die Erschöpfung, die
    Sorgerechts-Frage, die gesellschaftliche Lücke, die die Betroffene
    allein lässt.
  • Erlernte Hilflosigkeit
    wenn der Alarm nie endet: keine Charakterschwäche, sondern die korrekte Schlussfolgerung eines
    Systems, das gelernt hat, dass Handeln nichts ändert.
  • Angstanpassung
    Verhalten, das sich nicht mehr nach den eigenen Bedürfnissen richtet, sondern nach der erwarteten Reaktion des anderen vorauseilend, wachsend, irgendwann automatisch.

Kontrolle

Verschiedene Hebel, ein Ziel:
den Handlungsspielraum des anderen verkleinern.

  • Finanzielle Kontrolle
    eine Leine, die nicht am Hals sitzt,
    sondern am Portemonnaie.
  • Isolation
    das schrittweise Abschneiden von Menschen, die
    stützen würden, bis nur noch eine Sichtweise übrig bleibt.
  • Dominanzproblematik
    keine einzelne Taktik, sondern die Eigenschaft dahinter: Beziehung als Gefälle, nie auf Augenhöhe.
  • Unberechenbarkeit
    kein einzelner Ausbruch, sondern das Klima: Wut kommt aus geringstem Anlass, und niemand kann vorhersagen, wann.
  • Coercive Control
    der englische Dach-Begriff für das Zusammenspiel der drei vorigen: nicht Einzelvorfälle, sondern ein System, das jemanden gefangen hält, ganz ohne einen einzigen Schlag. International in mehreren Ländern längst ein eigener Straftatbestand, in Deutschland nicht.

Frühe Phase / Dating

Hebel, die schon vor der ersten echten Verbindlichkeit wirken.

  • Breadcrumbing
    Brotkrumen statt einem Mahl: gerade genug Zuwendung, dass man dem Weg weiter folgt.
  • Benching
    auf der Ersatzbank warmgehalten, für den Fall, dass man gebraucht wird, aber nie wirklich Teil des Spiels.
  • Vergiftetes Kompliment
    Lob und Herabsetzung in einem Satz:
    der Stich ist der Zweck, das Lob nur die Verpackung.
  • Falsche Nähe
    künstliche Ähnlichkeiten, um schnell Vertrauen zu erschleichen, das eigentlich Zeit braucht.

„Was man dagegen tun kann"

Mechanismen die wirken oder auch nicht

Historischer Rahmen

Woher der Boden kommt, auf dem all das gedeihen konnte.

  • Schwarze Pädagogik
    das Erziehungsmodell, das bis in die 1970er/80er als normal galt: Gehorsam vor Bindung, den Willen brechen als erklärtes Ziel.
  • Straflosigkeitsschleife
    die Spiegelseite davon:
    Was beim Kind das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zermürbt, bestätigt beim Täter, Wiederholung für Wiederholung, das Gefühl, über Konsequenzen zu stehen.

Schnelltest