Vergiftetes Kompliment

Lob und Herabsetzung in einem Satz verwoben, der Stich ist der Zweck, das Lob die Verpackung.

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Kurz gesagt

Eine Praline mit einer Nadel darin und wenn du dich beschwerst, hält man dir die Schachtel hin: "Es war doch Schokolade."

Definition

Lob und Herabsetzung in einem einzigen Satz, so eng verwoben, dass sich die Getroffene für ihre eigene Irritation schämt. Das Lob liefert den Vorwand, die Herabsetzung liefert die Wirkung.

Wie zeigt sich das?

  • "Für jemanden mit so wenig Erfahrung hast du das wirklich gut gemacht."
  • "Du siehst heute richtig gut aus, endlich mal."
  • "Schön, dass du auch mal pünktlich bist."
  • "Mutig, dass du das anziehst."

Warum das so wirkt

Der Verstand hängt zwischen Danke und Autsch fest,beides zugleich geht nicht, also bleibt ein diffuses Unwohlsein ohne greifbaren Anlass. Protest greift ins Leere: "Ich hab dir doch ein Kompliment gemacht!" Wer sich trotzdem wehrt, gilt als undankbar oder überempfindlich. Die Entwertung ist präzise platziert und zugleich perfekt verpackt, einzeln nicht beweisbar, in Summe eine ständige Erinnerung an den eigenen angeblichen Rückstand.

Der Unterschied zu Schmeichelei

Schmeichelei ist reines Lob mit stiller Verpflichtung, ein Köder, der etwas will. Das vergiftete Kompliment braucht die Herabsetzung: Der Stich ist der Zweck, das Lob nur die Verpackung, die den Stich unangreifbar macht.

Der Unterschied zu ehrlichem, ungeschicktem Lob

Ungeschicktes Lob gibt es, der Unterschied zeigt sich an der Reaktion auf Rückmeldung. Wer aus Versehen verletzt hat, erschrickt und korrigiert. Beim vergifteten Kompliment kommt stattdessen die zweite Stufe: Jetzt bist du auch noch undankbar.

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