„Es ist doch nichts passiert"
Bei dir ist es angekommen. Und was ankommt, hinterlässt Spuren.
Das ist der Satz, hinter dem sich diese Sorte Gewalt versteckt. Viele
sagen ihn. Die Familie, die nichts merken will. Die Behörde, die
eine Akte braucht. Am Ende sagst du ihn selbst, weil du müde bist
und weil du nichts vorweisen kannst außer dir.
Dabei ist etwas passiert. Es passiert seit Jahren, jeden Tag, in
Nebensätzen. Es hat nur die Eigenschaft, unsichtbar zu sein. Und
das ist kein Zufall, das ist seine Bauweise. Man ist erst schuldig, wenn etwas „passiert" ist:
- ein Schlag,
- eine Wunde,
- ein Beweis.
Alles davor gilt als Ansichtssache. Ich habe nie verstanden, warum. Und ich habe aufgehört, auf eine Antwort zu warten.
Stattdessen habe ich eine "Lampe" gebaut. In der Spurensicherung gibt
es das Schwarzlicht, unter dem sichtbar wird, was das Tageslicht verbirgt, ohne dass etwas hinzugefügt oder erfunden wird. Hier kommen Sätze
unter dieses Licht. Einer nach dem anderen.
Was sie tun, wie sie gebaut sind, warum sie wirken, obwohl sie so harmlos klingen. Du wirst einige davon kennen. Nicht aus Büchern — vielleicht sogar aus eigener Erfahrung.
„Es ist doch nichts passiert" stimmt nämlich in eine Richtung nicht,
und das ist die wichtigste:
Bei dir.
Bei dir ist es angekommen.
Und was ankommt,
hinterlässt Spuren,
nur eben solche,
für die es bisher kein Licht gab.
Straflos heißt nicht spurlos!